Der Eisvogel

(Alcedo atthis)


Merkmale / Aussehen

Kaum einer unserer heimischen Vögel kann es farblich mit dem Eisvogel - dem Vogel des Jahres 2009 - aufnehmen: Der Rücken schimmert blau-türkis und der Bauch ist leuchtend orange gefärbt. Am Hals trägt er einen weißen Streifen (s. folgendes Foto).

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Körperbau und Gefieder

Der Eisvogel hat einen kurzen und gedrungenen Körper mit kurzen Beinen, kurzen Schwanzfedern und breiten Flügeln. Der große Kopf mit dem etwa 4 cm langen, spitzen Schnabel sitzt an einem kurzen Hals. Die Oberseite wirkt je nach Lichteinfall kobaltblau bis türkisfarben; auf dem Rücken befindet sich ein leuchtend blauer Streifen, der besonders beim Abflug auffällt. Eisvögel haben eine Körperlänge von etwa 16 bis 18 cm und wiegen 35 g bis 40 g. Die Flügelspannweite beträgt etwa 25 cm.
Oberkopf, Flügeldecken, Schultern und Schwanzfedern sind dunkelblaugrün bis grünblau gefärbt, wobei sich an den Kopffedern azurblaue Querbänder und an den Flügeldecken azurblaue Spitzen befinden. Der Rückenstreifen ist leuchtend türkisblau. Bis auf die weiße Kehle ist die Unterseite beim Altvogel rostrot bis kastanienbraun gefärbt. Die Kopfzeichnung ist durch rotbraune Ohrdecken, scharf abgesetzte weiße Halsseitenflecken und einen blaugrünen oder blauen Bartstreif charakterisiert. Auf der Stirn befindet sich vor jedem Auge ein kastanienbrauner Fleck, der von vorn gesehen weiß erscheint. Zur Brutzeit sind die Füße orangerot.
Das Männchen hat einen schwarzen Schnabel, der an der Unterseite leicht aufgehellt sein kann. Das Weibchen zeigt einen orangefarbenen Unterschnabel, dessen Färbung sich mindestens von der Basis bis zum vorderen Drittel erstreckt. Beim Männchen hat das Gefieder der Oberseite meist einen blauen Grundton mit großen und zahlreichen azurblauen Flecken auf dem Oberkopf, das Weibchen ist oberseits eher blaugrün gefärbt.
Die Jungvögel haben oberseits dunkelbraun gefärbte Füße. Das Gefieder ist matter und die Oberseite grünlicher als bei Altvögeln. Die Brustfedern haben fast immer grünliche oder graue Spitzen. Der Schnabel ist ziemlich kurz und schwarz und zeigt einen hellen Fleck an der Spitze.
Von Ende August bis Mitte November werden in der Mauser die Schwungfedern abschnittsweise in einer festgelegten Reihenfolge gewechselt. In Mitteleuropa werden in dieser Zeit meist nur drei Viertel aller Federn erneuert, so dass die Mauser im darauf folgenden Sommer fortgesetzt wird.

Verbreitung und Lebensraum

Der Eisvogel besiedelt weite Teile Europas, Asiens sowie das westliche Nordafrika. In Hochgebirgsregionen und Wüsten kommt diese Vogelart nicht vor, da Eisvögel während des ganzen Jahres offenes Süßwasser benötigen. In West- und Mitteleuropa ist der Eisvogel mit wenigen Ausnahmen ein Standvogel. In den osteuropäischen und zentralasiatischen Populationen steigt der Anteil von Zugvögeln dagegen, je weiter östlich das Verbreitungsgebiet liegt. Zugrouten und Überwinterungsplätze sind jedoch noch nicht hinreichend erforscht.
Der Eisvogel lebt an mäßig schnell fließenden oder stehenden, klaren Gewässern mit Kleinfischbestand. Diese sollten von einem ausreichenden Angebot an Sitzwarten und möglichst auch von Gehölzen gesäumt sein. Es werden Flüsse, Bäche, Seen und auch vom Menschen geschaffene Gewässer wie Tümpel, Gräben, Kanäle, Teiche, Talsperren und Abgrabungen genutzt. Außerhalb der Brutzeit kann er sich sogar am Meer aufhalten. Als Brutplätze dienen Steilufer oder große Wurzelteller umgestürzter Bäume mit dicker Erdschicht. Auch vom Menschen geschaffene Hohlwege und Gruben werden genutzt. Der Bestand in Deutschland wird derzeit auf etwa 5.600 bis 8.000 Brutpaare geschätzt.

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Verbreitung des Eisvogels (gelb: Zugvögel, grün: Jahresvögel, blau: Überwinterungsgebiet)

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typischer Lebensraum des Eisvogels mit Steilufer und Nisthöhlen

Lebensweise

a. Ernährung

Der Eisvogel ernährt sich von Fischen, Wasserinsekten und deren Larven, Kleinkrebsen und Kaulquappen. Er kann Fische bis neun Zentimeter Länge mit einer maximalen Rückenhöhe von zwei Zentimetern verschlingen. Bei langgestreckten, dünnen Fischarten verschiebt sich die Höchstgrenze auf zwölf Zentimeter Körperlänge. Der Eisvogel benötigt täglich etwa 15 bis 30 Gramm Nahrung.

b. Sozialverhalten

Zwischen Februar und März streifen Eisvögel laut rufend die Gewässer entlang. Wenn sie einen möglichen Partner gefunden haben, finden ausgedehnte Verfolgungsflüge flach über dem Wasser statt, auch mitten durch den Wald bis über die Bäume. Sehr selten sind mehrere Vögel beteiligt. Danach werden meistens mögliche Brutplätze durch Männchen besetzt.

c. Fortpflanzung

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Eisvögel beim Füttern der Nestlinge


Eisvögel nisten in Höhlen, die sie selber mit dem Schnabel in wassernahe steile, vorzugsweise lehmige oder sandige Böschungen graben. Die Höhlen bestehen aus einem durchschnittlich 50 - 100 cm langen Tunnel, der in einem baseballförmigen Brutkessel endet. Ist an einer Steilwand noch keine alte Höhle vorhanden (auf die die Eisvögel gerne zurückgreifen), fliegen sie solange mit dem Schnabel gegen die Böschung, bis sie ein kleines Loch "gebohrt" haben. Sobald vorne genug Platz geschaffen ist, um darauf zu stehen, erweitern und verlängern die Vögel den Tunnel, indem sie das Material mit dem Schnabel lospicken und mit den Füßen herausschaufeln.
Gemeinsam bebrüten beide die Eier und füttern die Jungen. Zur Fütterung stellen sich die Jungen übrigens in Reihe und Glied auf, hat ein Junges einen Fisch bekommen, stellt es sich wieder hinten in der Schlange an. Sind die Jungen flügge, bekommen sie von den Altvögeln alles gezeigt, was man so als Eisvogel wissen muss. Nach 2 - 3 Tagen werden sie dann aus dem Revier vertrieben und müssen alleine auskommen.
Die Sterblichkeitsrate (Mortalität) bei Jungvögeln ist sehr hoch: 70 - 80% überleben das erste Jahr nicht! Durch ihre Unerfahrenheit ertrinken einige bei den ersten Fischversuchen, andere erfrieren im Winter mit nassem Gefieder, weil sie ihr Gefieder nicht ausreichend gepflegt haben. Auch Verhungern und Beutegreifer sind eine häufige Todesursache.

d. Jagd

Besonders eindrucksvoll ist das Jagdverhalten des Eisvogels. Von einem Ansitz am Wasser aus hält er nach Beute unter der Wasseroberfläche Ausschau. Sobald er einen Fisch oder ein größeres Wasserinsekt erspäht hat, stürzt er sich mit angelegten Flügeln kopfüber ins Wasser. Das Gefieder wird dabei kaum nass; ein Luftpolster zwischen den Federn verhindert das Auskühlen des Vogels. Als Fischjäger ist er auf offene Wasserflächen angewiesen. Frieren die Gewässer, aus denen er seine Fischbeute holt, im Winter vollständig zu, kann es zu hohen Verlusten in den Beständen kommen.

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Eisvogel beim Stoßtauchen

e. Feinde

Die Feinde des Eisvogels sind Hechte, Wiesel, Sperber, Ratten und der Mensch. Der Mensch ist hauptsächlich wegen der Zerstörung des natürlichen Lebensraums sein Feind geworden.

f. Verhalten

Der Eisvogel ist ein territorialer Einzelgänger. Er ist standorttreu und tagaktiv. Oft sitzt er lange Zeit still auf einem niedrig über dem Wasser hängenden Ast.
Bei der Begegnung zweier Individuen wird zunächst gedroht. Dabei sitzt der Eisvogel hoch aufgerichtet, gestreckt, mit angelegtem Kleingefieder und nach vorn sackenden Flügeln. Oft wird auch der Schnabel geöffnet. Die Kehlfedern sind eng angelegt. Zur Verstärkung der Drohung verbeugt sich der Eisvogel ganz langsam vor dem Gegner, wobei der Kopf einen vertikalen Kreisbogen beschreibt oder langsam von einer Seite zur anderen gedreht wird. Die stärkste Drohung besteht darin, dass der Vogel die Flügel ausbreitet und sich in voller Größe zeigt. Bei Drohduellen sitzen sich die Rivalen steif und dünn im Profil gegenüber, wobei manchmal kurze, von erregten Rufen begleitete Verfolgungsflüge stattfinden. Die Dauer kann mehrere Stunden betragen, in denen offensichtliche Gefahren kaum bemerkt werden. Vermutlich testen sie sich dabei in Bezug auf Ausdauer, Kraft und Belastbarkeit. Mit der Aufgabe des schwächeren Vogels endet das Duell.
In Ausnahmefällen reicht das Drohen nicht aus und es kommt zum Kampf. Dabei versucht ein Eisvogel den anderen vom Ansitz zu stoßen oder in den Nacken zu beißen. Wenn dies nicht gelingt, fassen sich die Rivalen gegenseitig am Schnabel und zerren sich hin und her, flattern zu Boden oder fallen ins Wasser. Meist enden die Kämpfe ohne ernsthafte Verletzungen. Zum Schluss flieht der Unterlegene. Der Sieger bleibt zurück oder verfolgt den Gegner noch ein kurzes Stück.
Selbstständige Jungvögel aus früheren Bruten desselben Jahres besuchen oft (etwa ab Juni) die Brutsteilwand. Manchmal werden diese aus fremden Bruten stammenden Besucher von den Altvögeln energisch verjagt, bei anderen Gelegenheiten aber ignoriert oder geduldet. Sie zeigen ein starkes Interesse an Bruthöhlen, insbesondere solchen mit Nestlingen, und beteiligen sich nachweislich zumindest teilweise intensiv an der Fütterung.
Außerhalb der Brutsaison können sich an einem bestimmten Gewässerabschnitt mit ausreichendem Nahrungsangebot mehrere Eisvögel ohne gegenseitiges Drohen aufhalten.
Greifvögeln entkommt der Eisvogel oft, indem er zunächst laut rufend flach über dem Wasser fliegt und plötzlich aus vollem Flug einen Tauchstoß ausführt, so dass der Jäger über ihn hinwegfliegt und damit seine Beute verloren hat.

Weiteres

Stimme

Der kurze, scharfe Ruf des Eisvogels klingt wie „tiht“ oder „ti-it“, das bei Erregung zu „tih-tih“ oder „tit-tit-tit“ abgewandelt wird.
Bei Erregung klingen die Rufe fast stimmlos „krrikrrtkrrt“. Zur Balz ( Balz ist die Bezeichnung für das Paarungsvorspiel bei Tieren) sind Eisvögel besonders ruffreudig und wandeln ihre Rufe geringfügig ab. Das klingt wie „tiet-tiet“, „tit-tieh“, „tjii-tit-tit“ oder ähnlich. Entgegen falscher Beschreibungen tragen Eisvögel keinen Gesang mit verschiedenen Rufen, Pfiffen und Rollern vor.
Die Bettelrufe der Jungen bestehen aus einem durchdringenden, lang andauernden „rrüerrüerrüe“. Ein Altvogel mit Futter meldet sich am Höhleneingang manchmal mit einem rauen „kreh“. Zur Verständigung mit den flüggen Jungen verwenden Eisvögel Frage-Antwort-Rufe. Altvögel kündigen sich mit einem kurzen „tieht“ an und Jungvögel antworten mit „tschik“.

Ein Kurzfilm vom Eisvogel


http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=0QCce19-dbM

Ein lustiges Eisvogelspiel

Kommt Kevin Kingfisher durch?



Quellen (Auswahl):

Wikipedia,Google/Bilder
http://www.brodowski-fotografie.de/beobachtungen/eisvogel.html
http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/2009-eisvogel/10120.html